SV Grün-Weiß Wörlitz e.V.

Die Stürmer-Tricks

News Team, 08.10.2018

Die Stürmer-Tricks

PIESTERITZ/MZ - Der FC Grün-Weiß Piesteritz hat Historisches geleistet: In sieben Tagen werden neun Punkte geholt! Am Samstag wird in einer dramatischen Partie zum Abschluss der englischen Woche Merseburg 99 vor 71 Zuschauern mit 3:1 geschlagen. Über den schlechten Saisonstart redet inzwischen niemand mehr im Volkspark. Die Wende kommt mit mutigen taktischen Veränderungen. Im Mittelpunkt stehen die Stürmer. Und Trainer Sascha Prüfer hat seine Trickkiste weit geöffnet. Dennis Marschlich ist dafür ein Beispiel.

Der Torjäger hat zuletzt Ladehemmungen und findet sich plötzlich als Rechtsverteidiger wieder. „Ich wollte neue Reize schaffen“, erklärt im MZ-Gespräch der Übungsleiter, räumt aber ein, dass seine Entscheidung auch eine sehr pragmatische ist. „Wir brauchten Ersatz für den verletzten Richard Held auf dieser Position“, so der Coach. Erstmals spielt Marschlich in Eisleben in der Defensive. „Seit dem haben wir nicht mehr verloren“, zieht der Übungsleiter ein erstes Fazit. Und der Kicker selbst hat sichtlich die Spielfreude zurück gewonnen. „Das ist doch eine sehr schöne Position“, sagt der Rechtsverteidiger, der seine Schnelligkeit durchaus auch für Offensivvorstöße nutzt. Dabei gibt es sogenannte Fußballexperten, die behaupten, Angreifer haben im eigenen Strafraum nichts zu suchen. „Das ist schon ein gewisses Risiko. Das weiß ich“, räumt Prüfer ein.

Und es passiert tatsächlich ein Malheur. Marschlich geht in einen Zweikampf mit Maso Erovic im Strafraum in Angreifermanier. Das ist zu ungestüm und auch unnötig. Schiedsrichter Daniel Fritzsche (Leipzig) hat keine Wahl und zeigt auf den Punkt. Marcel Fellmuth verwandelt den Elfmeter sicher (45. Minute). Das ist zu diesem Zeitpunkt eigentlich nur ein kleiner Schönheitsfehler.

Die Gastgeber sind in der ersten Halbzeit klar überlegen. Dabei scheint Michael Müller mit seinem Treffer in bester Mittelstürmermanier schön früh alles klar zu machen (31.). Es steht 2:0. Für die 1:0-Führung hat nach ausgezeichneter Vorarbeit von Jonny Karaschewski Francis Sisinho Kabore Wendmgoudi per Kopf gesorgt (25). Der 21-Jährige profitiert ja ebenfalls von den Umstellungen und zählt damit auch in die Kategorie Stürmertrick. Seit dem er in der Anfangsformation spielen darf, zahlt er das Vertrauen der Verantwortlichen mit Toren zurück.

Am Samstag ist der Ex-Kemberger aber eher ein trauriger Held. Er nimmt in der zweiten Halbzeit seinen Gegner kurz in den Schwitzkasten. „Eine Undiszipliniertheit“, kommentiert sein Trainer. Der Referee zückt die Rote Karte (54.).

Jetzt droht die Partie zu kippen. Plötzlich zeigen die Merseburger doch noch ihre Offensivqualitäten. „Die schwimmen. Hier ist etwas zu holen“, ruft der Merseburger Coach Kevin Walloch seinem Team lautstark zu. Prüfer dagegen fordert „mehr Zugriff“.

Zumindest der Piesteritzer Torwart Jan Hanzal ist hellwach. Der Keeper, in der ersten Halbzeit praktisch noch beschäftigungslos, verhindert mehrfach den fälligen Ausgleich. Der 27-Jährige pariert unter anderem einen Schuss aus Nahdistanz vom gerade eingewechselten Stanislaw Rayko in großem Stil (70.).

Und in der Zeit der größten Bedrängnis öffnet Prüfer wieder die offensive Trickkiste und bringt mit Tim Schölzel einen frischen Angreifer von der Bank. Der Joker entscheidet die Begegnung. „Ich habe einen langen Ball erlaufen und das Leder über den Torwart gehoben“, schildert der 22-Jährige eher bescheiden sein Traumtor (90.). Die Vorlage kommt vom ebenfalls eingewechselten Christoph Düsedau. Zu diesem Zeitpunkt steht auch Prüfer auf dem Feld. Der Coach hat sich erstmals in seiner Trainerkarriere selbst eingewechselt. Der 31-Jährige darf sich seit Samstag um 16.45 Uhr Spielertrainer nennen.

Seien Gegenüber, der ebenfalls als Auswechselspieler auf dem Spielprotokoll steht, hat auf diesen Schritt verzichtet. Der 31-Jährige ist allerdings auch kein Stürmer, sondern ein gelernter Torwart. Der Übungsleiter ist trotz der Niederlage nicht ganz unzufrieden. „Kompliment. Das war eine ganz starke zweite Halbzeit“, sagt er seiner Elf noch auf dem Rasen.

FC Grün-Weiß Piesteritz: Hanzal; Freihube, Wirth (84. Düsedau), Töpfer, Müller (79. Schölzel), Karaschewski, Schmidt, Redlich, Niemitz (90. Prüfer), Kabore, Marschlich


Quelle:MZ


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