SV Grün-Weiß Wörlitz e.V.

Zoff ums Norweger-Modell

News Team, 09.10.2019

Zoff ums Norweger-Modell

BERGWITZ/MZ Die Mail trifft an einem Donnerstag um 21.43 Uhr in Bergwitz ein. Es sind keine 24 Stunden mehr, da wird im Kreis die Fußballsaison eröffnet. In der elektronischen Post werden die Vereine von einer Vorstandsentscheidung informiert. Demnach tritt mit sofortiger Wirkung das Norweger-Modell in den beiden Staffeln der Kreisliga in Kraft.

Späte Mail nur ein Stockfehler?

Im Kern geht es darum, dass Teams bei Personalsorgen auch schon mal Neun gegen Neun spielen und sogar das Spielfeld verkleinern können. Doch das muss, so die Regularien, bis Mittwoch um 20 Uhr vor einem Spieltag angezeigt werden. Das geht also zum Saisonauftakt nicht mehr - die Mail kommt dazu über 24 Stunden zu spät. Und so heißt es zum Auftakt: Eine Fußball-Elf besteht immer noch aus elf Spielern. Die Reduzierung der Personalstärke kann erst ab Runde zwei - und das passiert wirklich - angewendet werden. Schon das sehen Juristen als bedenklich an. Denn am zweiten Spieltag läuft ja die Saison schon. „Die Änderung der Mannschaftsgröße während der Serie ist nicht erlaubt“, erklärt der Landesverband bei einer Tagung im Oktober 2015 die Regel zum Fußballgesetz. Theoretisch können so erst nach der Winterpause die Änderungen in Kraft treten. Doch auch der Wittenberger Verfahrensweg ist legitim, „wenn alle Vereine einstimmig zustimmen“, sagt Christian Reinhardt. Der Geschäftsführer im Landesverband spricht von einem „kleinen Stockfehler“, der jetzt in Gesprächen „mit allen Beteiligten geheilt“ werden soll.

In anderen Kreisen wird die kleine Fußball-Revolution geräuschlos eingeführt. „Wir haben das auf einem Staffeltag ausführlich und sehr kontrovers diskutiert und dann fast einstimmig beschlossen“, erinnert sich Mario Pinkert, der Präsident in Anhalt. Nach seinen Angaben wird das Angebot derzeit nur von einer Mannschaft genutzt. „Ich bin ein Verfechter des Modells“, sagt Pinkert und betont: „Bisher gibt es auch von keinem Ambitionen, es wieder zu kippen.“ Im Land kommt das Norweger-Modell, das besonders in den westlichen Ländern genutzt wird, laut Reinhardt vor allem im Nachwuchsbereich zur Anwendung. „Die Idee ist gut“, sagt der Geschäftsführer.

Votum fällt ohne Vereine

Die Bergwitzer sehen das anders. Die Empörung ist groß. „Das ist gequirlte Sch...“, schreibt Mario Göttert einen Brandbrief an den Kreisfachverband (KFV). „Es werden die Mannschaften bestraft, die noch ausreichend Spieler haben. Wer nicht mitspielen kann, wenn Neun gegen Neun gespielt wird, der wird früher oder später aufhören mit Fußball“, so der dienstälteste Trainer - seit 1988 in Bergwitz Übungsleiter - im Landkreis. „Warum wurde in der Kreisliga keine Abfrage durchgeführt, ob dieses Modell von der Mehrheit der Vereine überhaupt unterstützt wird?“, fragt Göttert, der den KFV auffordert, die Namen der Vorstandsmitglieder zu nenen, die sich für das Modell entschieden haben.

Göttert steht zumindest in seinem Verein nicht allein mit seiner Kritik da. Abteilungsleiter Florian Gaul spricht von einer „Kasper-Liga“ und von „einer Katastrophe“. Nach seiner Auffassung müssen - so wie es eben in Anhalt praktiziert wurde - bei solch gravierenden Änderungen „alle Vereine ins Boot“ geholt werden. Gaul hat für die Vereinshomepage Göttert interviewt. Und der Bergwitzer, der auch Präsident seines Vereines ist, hält erneut mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. Er spricht von einem „Bolzplatz-Modell“, von „Neun-gegen-Neun-Unsinn“ und von einer „Lachnummer“. Dabei nimmt der Praktiker auch die Regularien aufs Korn. Es geht um die Personalstärke-Meldung bis Mittwoch um 20 Uhr. „Das ist Nonsens und dient nur als Alibi. Kein Trainer auf Kreisebene weiß am Mittwochabend genau, wie viele Spieler am Samstag zur Verfügung stehen“, so der Coach.

Rechtliche Schritte angedroht

Das vereinsinterne Interview sorgt für Aufsehen. „Mir wurden rechtlich Schritte angedroht“, sagt Göttert, „wir werden als Buhmänner hingestellt.“ Er lasse sich das Recht auf freie Meinungsäußerung allerdings nicht verbieten und sein Team werde weiter mit elf Spielern auflaufen.

Die Verantwortlichen in Bergwitz denken über Konsequenzen nach. Sie sprechen von einer eigenen Liga und von einem eigenen Verband. „Ein neuer Spielbetrieb könnte unter Umständen schon 2020/21 starten. Die Vorbereitungen laufen schon seit 2018. Ein solches Projekt braucht jedoch Zeit zum Wachsen und muss gut vorbereitet sein. Weitere Gespräche finden noch im Oktober statt. Mehr kann ich dazu nicht sagen“, so Göttert. Der Trainer spricht vom „Wiederaufbau des Kreisfußballs, so wie er einmal geschaffen wurde“. Bergwitz strebt die Trennung vom DFB an.

Das ist offensichtlich die Reaktion auf ein weiteres Schreiben des KFV. Präsident Achim Golly verteidigt dabei das Norweger-Modell. „Bisher sind - außer von Bergwitz - nur positive Rückmeldungen von den Vereinen eingegangen“, so Golly, der aber keine Namen - auch nicht jene, die hinter verschlossenen Türen für das Modell gestimmt haben - nennt.

Mario Göttert

Präsident


Quelle:MZ