SV Grün-Weiß Wörlitz e.V.

Fagott und Laufschuh

News Team, 13.01.2020

Fagott und Laufschuh

ORANIENBAUM/MZ Wird es für Fabian Borggrefe nicht irgendwann langweilig, einen Sieg nach dem anderen einzufahren? Er macht jedenfalls nicht den Anschein, als er nach einer guten halben Stunde als Erster ins Ziel beim 40. Oranienbaumer Silvesterlauf einläuft: zwar mit einem verbissenen Gesichtsausdruck, aber dennoch glücklich.

Der drahtige Extremsportler aus Halle hat gleich bei seinem ersten Lauf im neuen Jahr gezeigt, dass der Weihnachtsbraten nicht an seiner Kondition genagt hat. Im Vergleich zum vorigen Jahr hat sich der 47-Jährige sogar um wenige Sekunden verbessert - mit dem Zielwert ist er sehr zufrieden: „Ich hatte eine Zeit von 33 Minuten und 23 Sekunden für die 10-Kilometer-Strecke. Darauf bin ich stolz, denn man muss schließlich auch bedenken, dass ich immer älter werde.“ Und der Jungbrunnen ist für den Vater von vier Kindern das Laufen. Jeden Morgen vor der Arbeit joggt Fabian Borggrefe etwa 15 Kilometer. Diese Zeit nutzt er gleich, um den Tag und seine Woche in Gedanken zu planen. „Ich arbeite in der Staatskapelle in Halle und spiele dort Fagott“, berichtet er. Das Laufen sei für ihn ein wichtiger Ausgleich zu seinem Beruf, denn dort müsse er mental und körperlich fit sein.

Eine sportliche Familie

Seine Frau ist ebenfalls eine begeisterte Läuferin. Gemeinsam nehmen sie auch an Marathonläufen teil. In die Sportbegeisterung des Ehepaares werden auch die Kinder einbezogen. Wenn seine Frau Katja Borggrefe ihre 14 Kilometer lange Distanz in der Dölauer Heide läuft, radeln oft ihre Kinder mit dem Rad nebenher.

Insgesamt nimmt Fabian Borggrefe im Jahr nur an etwa sechs Läufen teil, denn er möchte gerade am Wochenende Zeit für seine Familie haben. Dafür kann er jedoch nicht auf seine tägliche Joggingtour verzichten. „Die gehört einfach zum Tag dazu, dann bin ich richtig ausgeruht, frisch und alles macht mehr Spaß“, sagt der Läufer.

Für den Oranienbaumer Silvesterlauf hat er sich nicht speziell vorbereitet. Aus den vergangenen Jahren weiß er, wie die Strecke beschaffen ist und was es für Tücken gibt. „Da es in den letzten Tagen nass war, ist auch die Strecke durch den Wald dementsprechend schlammig. Es könnte die Gefahr bestehen, auszurutschen.“ Glücklicherweise ist es so weit nicht gekommen - alle 430 Läufer erreichten das Ziel ohne Verletzungen. Für den Hallenser sind zehn Kilometer keine große Hürde. Nachdem er ins Ziel einlief, hing er noch eine kleine Runde heran, um seine Glieder etwas zu pflegen und sich „kaltzulaufen.“

Trockenes Brot als Treibstoff

Für Laufambitionierte hatte der 47-Jährige noch einen wichtigen Ernährungstipp. „Vermeidet auf jeden Fall Protein-Produkte und Lebensmittel, die man nicht so gut verträgt“, rät er. „Ich habe damit keine guten Erfahrungen gemacht.“ Bei einem Lauf wie am gestrigen Sonntag in Oranienbaum isst Borggrefe lediglich ein trockenes Brot und gegebenenfalls eine Banane oder einen Apfel zum Frühstück. Dann ist der Magen wenigstens nicht völlig leer und man hat nicht das Sättigungsgefühl, das zu Trägheit verleitet.

Nach nur etwa 40 Minuten war Fabian Borggrefe in Oranienbaum wieder in der Umkleide verschwunden. Auf die Siegerehrung und seinen Pokal konnte er nicht mehr warten, denn ihn erwartete im Vogtland ein Konzert - das Fagott lag schon im Kofferraum bereit, gleich neben seiner Sporttasche.

Hunderte Läufer

Mit dem guten Vorsatz fürs neue Jahr, etwas gegen die Weihnachtspfunde zu tun, sind am Sonntag 430 Sportler nach Oranienbaum gekommen, um zu laufen. Gegen 10.10 Uhr ertönte der Startschuss für den zehn Kilometerlauf, der mittlerweile zum 40. Mal in der Parkstadt ausgetragen wird. Fabian Borggrefe sicherte sich bereits zum fünften Mal den ersten Platz mit einer Zeit von 33:23 Minuten. Dicht gefolgt von Richard Vogelsang aus Markkleeberg mit einer Zeit von 34:12 Minuten und Marcus Wallner vom LC Dübener Heide mit einer Zeit von 34:50 Minuten. Die schnellste Frau war Anna Kristin Fischer aus Leipzig, die nach 38:58 Minuten ankam.


Quelle:MZ