SV Grün-Weiß Wörlitz e.V.

Kein Freibrief für Meckerer

Presse Team, 11.02.2020

Kein Freibrief für Meckerer

FUSSBALL Schiedsrichter-Chef Peter Kein plädiert trotz der Bundesliga-Debatten nicht für die Verschärfung der Regeln, sondern für das konsequente Einhalten.

Kein Freibrief für Meckerer

Ausgemeckert! Schiedsrichter Tobias Stieler erteilt Mönchengladbachs Alassane Plea (M.) in Leipzig die Gelb-Rote Karte. (dpa)

VON MICHAEL HÜBNER

WITTENBERG/MZ Peter Kein tüftelt vor dem Start der regionalen Fußball-Ligen am 29. Februar nicht an Regieanweisungen für seine Kollegen. Der Zschornewitzer ist der höchste Schiedsrichter-Boss im Landkreis Wittenberg. Er werde keinen Brandbrief verfassen, erklärt Kein auf MZ-Anfrage.

Das freilich hat Michael Fröhlich, der Sportliche Leiter der Elite-Referees, getan. Er hatte vor dem Rückrundenstart der Bundesliga dazu aufgefordert, Unsportlichkeiten härter zu sanktionieren. In einem Schreiben, das er an die Klubs geschickt hatte, sind die entsprechenden Situationen aufgelistet. Vermehrt geahndet werden sollen demnach „das Vortäuschen von Fouls, das Stören des Spiels durch Zeitverzögerungen wie zum Beispiel das Ballwegtragen nach Freistoßentscheidungen“, „das heftige, gestenreiche Reklamieren, das Unterdrucksetzen des Schiedsrichters und Rudelbildungen“.

Zu den ersten, die die härtere Gangart zu spüren bekamen, zählt Gladbachs Angreifer Alassane Plea. Der Stürmer hatte mit seinem wiederholten Reklamieren in Leipzig über das Ziel hinausgeschossen. Seine Gesten waren dem Referee gegenüber abfällig, seine Mimik verstärkte diesen Eindruck noch. Er sah die Ampelkarte.

Show der Selbstdarsteller

Kein will nicht missverstanden werden: Es gebe auch im Kreis keinen Freibrief für Meckerer. Die Spielleiter müssen den Regeln konsequent Geltung verschaffen. Und auch „unsportliches Betragen“ - dazu zählt das Meckern - sei konsequent zu ahnden. Es gehe darum, „den Selbstdarstellern“ auf dem Platz, die nur „ihre Show machen wollen“, Einhalt zu gebieten. „Wer meckert, erhält eine Verwarnung. Wer diese Entscheidung mit höhnischem Beifall kommentiert, sieht Gelb-Rot“, sagt Kein. Im Klartext: Plea hätte auch ganz ohne Brandbrief für sein Benehmen in der Kreisoberliga einen Platzverweis erhalten.

Es gibt allerdings Spieler und Fans, die von einem Spielleiter vor allem eines erwarten: Fingerspitzengefühl. Das will Kein jedoch nicht gelten lassen. „Wir haben einen Ermessensspielraum“, verweist er auf Regeln und Möglichkeiten. So werde ein „junger Kollege“, der „vor einem 35-jährigen Mann steht“, möglicherweise schneller die Gelbe Karte zücken als ein erfahrener Referee. Es gehe um Respekt und Autorität.

„Den Job möcht ich nicht machen“, gesteht Sebastian Müller. Der Jessener Abteilungsleiter spielt lieber - wenn auch zuletzt nicht mehr so häufig. „Ich hatte noch nie eine Gelb-Sperre“, sagt Müller, der allerdings auch kein Engel ist. „Ich habe schon meinen Unmut geäußert, wenn ich mich benachteiligt fühlte“, räumt Müller ein und hat keinen Zweifel: Emotionen gehören einfach zum Fußball. „Es muss aber im Rahmen bleiben“, betont der Abteilungsleiter.

Na klar, sagt Ralf Jenichen, fällt mal ein „dummer Spruch“. Aber verbale Angriffe auf den Spielleiter habe er im Kreis noch nicht erlebt, betont der Trainer von Hellas 09 Oranienbaum. „Das Zustürmen auf den Schiedsrichter nach Entscheidungen kenne ich nur aus der Bundesliga. Dort muss härter durchgegriffen werden. Das finde ich richtig“, sagt der Barockstädter, der Kein zustimmt. In den regionalen Klassen genüge das konsequente Anwenden der Regeln. Da müsse nichts verschärft werden. In seiner langen Kicker-Karriere hat er selbst nur einen Platzverweis kassiert. „Das war bei einem Juniorenspiel in Bergwitz. Aber ich weiß heute nicht mehr warum“, sagt er. Dafür erinnert er sich noch an den Namen des Spielleiters. „Ich ziehe den Hut vor jedem Schiedsrichter. Ich könnte das nicht“, sagt Jenichen.

Kritik am Trainer-Rot

„Regeln müssen eingehalten werden“, betont Florian Gaul. Der Bergwitzer Präsident sagt aber auch: „Emotionen gehören zum Fußball“. Trotzdem haben gerade die Trainer eine Vorbildfunktion. „Sie vertreten die Werte des Vereins“, sagt Gaul und kritisiert die Rote Karte gegen den Schalke-Trainer im Pokalspiel gegen Hertha. „Da fasse ich mich nur noch an den Kopf. So macht man den Fußball kaputt“, meint er.

Dagegen begrüßt die härtere Gangart Bertram Jacobi. „Wer einen Fehler macht, sollte nicht die Schuld bei anderen suchen“, sagt der Zschornewitzer Abteilungsleiter, der darin den Anlass fürs Meckern sieht. Unterbleibt diese Unsportlichkeit, können sich die Kicker wieder auf das Wesentliche konzentrieren: auf das Fußball spielen.

Sebastian Müller

Spieler und Abteilungsleiter


Quelle:MZ