SV Grün-Weiß Wörlitz e.V.

Der sportliche Diplomat

News Team, 23.03.2020

Der sportliche Diplomat

ELSTER/MZ Peter Müller (Freie Wähler) ist in Sachen Fußball ein Weltenbummler. Der gelernte Rechtsverteidiger hat in Südafrika, Südamerika oder in China mit der deutschen Nationalelf der Bürgermeister gekickt. Insgesamt stehen 45 Länder- und 22 Freundschaftsspiele für das Stadtoberhaupt von Elster zu Buche. Doch in der Heimat ist es offensichtlich am schönsten. Müller nennt als Karriere-Höhepunkt, als seine persönliche Sternstunde, das Heimspiel im Brale-Sportpark. Deutschland schlägt 2014 die Slowakei vor 800 Zuschauern 2:0. Müller trifft „vor eigenem Publikum“ zur Führung. Der Verwaltungschef verwandelt einen Elfmeter in der 27. Minute zum 1:0. Dabei gilt er für die Vollstreckung vom Punkt nicht unbedingt als der Experte. „Es ist bei uns Usus, dass der gastgebende Bürgermeister antritt“, berichtet er. Für den Fall der Fälle hat er aber nicht extra trainiert. Sein Flachschuss ist hart und präzise.

Insgesamt erzielt Müller für die Auswahl vier Treffer - zwei davon in der Begegnung gegen Holland beim 11:1-Erfolg. „Nach einer Ecke habe ich per Kopf mit einer langen Bogenlampe verwandelt. Das war mein schönstes Tor“, so Müller, der sich auch bei der Europameisterschaft in Polen 2012 in die Torschützenliste beim 7:2 gegen Österreich einträgt. Die Auswahl belegt Rang vier.

Vier Jahre zuvor - allerdings noch ohne Müller - wird Deutschland Europameister. Nach dem Titelgewinn erhält der Elsteraner seine Nominierung und kann sich in nur drei Länderspielen gegen Österreich 11:1, Polen 3:3 und Italien 6:2 einen Stammplatz erkämpfen. Seit dem ist Müller, der alle Reisen privat finanziert, ein sportlicher Diplomat. Müller und die Auswahl spielen immer für einen guten Zweck. Bei den drei Spielen in Südafrika zum Beispiel kamen die gesamten Einnahmen der Nelson-Mandela-Stiftung zu Gute. Dafür ist Müller bereits vor dem Reiseantritt mit dem „Klingelbeutel“ auf Tour. „Allein der Gedanke, dass Elster die Fußballjugend Südafrikas unterstützt, verpasst mir eine Gänsehaut. Ein Ziel der Stiftung ist es, Kinder aus den dortigen Slums zu holen“, berichtet der Kicker.

Bei Auftritten in Deutschland erhalten die Einnahmen die SOS-Kinderdörfer. Eine solche Einrichtung gibt es in Sachsen-Anhalt aber nicht. „Der Erlös von der Partie in Elster kam der Ferienfreizeit zugute“, so der einstige Geräteturner, der vor fünf Jahrzehnten das Metier gewechselt hat. Als Steppke ist er begeistert von den Events rund um den 50. Geburtstag der BSG Lok Elster und meldet sich bei den Knaben (D-Jugend) an. Er spielt in seiner Karriere alle Positionen. Sein Debüt in der Männermannschaft erlebt er als 17-Jähriger im Tor, weil gerade ein Keeper gesucht wird. Und als Personal im Angriff fehlt, wird Müller Mittelstürmer und trifft in einer Saison 16 Mal. Noch heute bestreitet er für die Alte Herren der Eintracht zwischen 30 und 35 Spiele jährlich. Trainiert wird - jetzt ist allerdings wegen Corona Zwangspause - jeden Freitagabend.

Als Verwaltungschef ist er stolz auf den Sport- und Freizeitpark und auf das Angebot. Skaten, Tennis, Mini- und Crossgolf, Floorball, Tischtennis, Kegeln und Aerobic gehören unter anderem zu den sportlichen Offerten. „Aber das Aushängeschild sind die Eintracht-Kicker. Sie belegen derzeit den dritten Platz in der Verbandsliga“, so Müller. Elsters Fußballer sind seit drei Jahren die Nummer eins im Landkreis.


Quelle:MZ